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Meine Frau schenkt unserem Hund mehr Beachtung als mir

In unserer Service-Rubrik „Liebesfragen“ können Sie der Einzel- und Paartherapeutin Dorothea Perkusic Ihre Fragen rund um die Themen „Leben“ und „Liebe“ stellen. Ausgewählte Fragen werden immer montags hier anonymisiert veröffentlicht.

Die heutige Frage:

Meine Frau kümmert sich mehr um unseren Hund als um mich. Ich habe das Gefühl, als wäre immer etwas anderes wichtiger. Früher hat sie sich beschwert, wenn ich zum Sport gegangen bin. Jetzt würde ich gern mehr Zeit mit ihr verbringen und immer ist etwas anderes wichtiger.

Dorothea Perkusic:

Bei dieser Frage mag nun manch einer schmunzeln oder herablassend die Augen verdrehen. Was jedoch daher rührt, dass diese und ähnliche Situationen wohl jedem in irgendeiner Form bekannt sein dürften. Sind wir mal ehrlich.
 
Erstens würde ich davon abraten, dass Sie sich mit Ihrem Hund vergleichen. Zweitens sollte sich Ihre Frau nicht um Sie kümmern müssen. Sie sind ja schließlich schon groß. Vielmehr sollten Sie überlegen, wie Sie Anreize schaffen können, dass Ihre Frau wieder mehr Lust hat, Zeit mit Ihnen zu verbringen.
Wenn ihre Frau Sie vielleicht nur noch als den meckernden Ehemann wahrnimmt, und gleichzeitig selbst das Gefühl hat, auf der Strecke zu bleiben, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Sie Abstand von Ihnen nimmt. Wenn der Kater, der Hund oder die Kinder zwischen einem Paar im Bett liegt, hat dies immer einer trennende und auf Abstand haltende Wirkung. 

Ein Mittel zum Zweck

Hunde, Sport, Haushalt, Kinder und Job werden häufig zu Nebenbuhlern. Es sind Schutzschilder, hinter denen und nicht selten auch hinter deren Notwendigkeiten sich jeder gut verstecken kann – es ist ja schließlich notwendig, sich um diese Dinge zu kümmern. Also eine Art Flucht. Eine Beziehung wird als unbefriedigend erlebt, also gehe ich eine andere in ähnlicher Intensität ein und kann so in beiden bleiben.

Die Liebe zu einem Tier kommt unverblümt zurück. Wenn ich meinen Hund streichle, wird er sich dankbar anschmiegen, ohne große Erwartungen. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl und in Partnerschaften leider nicht ganz so selbstverständlich gegeben.

Wenn einer sich beschwert, also unzufrieden ist, führt das irgendwann zum Rückzug und zur Resignation. Warum hat sich Ihre Frau zurückgezogen und an welchem Punkt Ihrer Beziehung haben Sie es getan? Hier könnte der Schlüssel liegen. Vielleicht waren Sie beide zu unaufmerksam, vielleicht haben es die Umstände auch nicht zugelassen. Für sich selbst immer gut zu sorgen und auch für den Partner ist das nicht unbedingt einfach.

Gehen Sie der Sache auf den Grund

Sprechen Sie darüber, wie es Ihnen beiden mit der Situation geht. Ohne zu quengeln und Vorwürfe zu machen, sondern aneinander interessiert. Worüber sind Sie beide enttäuscht, was fehlt Ihnen und wovor verstecken Sie sich? Überlegen Sie, warum es interessanter oder auch einfacher geworden ist, sich in einem Übermaß anderen Dingen, Tätigkeiten oder Lebewesen zuzuwenden, als dem Partner. Stellen Sie sich den Mechanismen und Enttäuschungen, die zum Rückzug geführt haben. Verführen Sie zu gemeinsamer Zeit anstatt diese einzuklagen.

Die Online-Sprechstunde von Dorothea Perkusic

Stellen Sie Ihre persönlichen Lebens- und Liebesfragen – von den häufigsten Fragen wird jeden Montag jeweils eine ausgewählt und anonymisiert auf mehreren Online-Portalen beantwortet.

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